„… angekommen – und dann?!“

Tanz ist eine universelle Sprache und kann gerade in Verbindung mit Geflüchteten verstärkt zur Vermittlung und zum Verständnis untereinander beitragen. Perspektivisch werfen Begegnungen mit Menschen nach Fluchterfahrung jedoch viele Fragen auf: Was will ich als Tänzer_in, Kulturinstitution, Choreograf_in, etc. vermitteln? Welche Möglichkeiten hat der Tanz überhaupt? Welche gegebenen Strukturen sind sinnvoll? Was können und sollen wir tun, um in einer Woge der Hilfsbereitschaft möglichst sinnvolle Dinge zu ermöglichen?

Um Geflüchtete langfristig an choreografischen Projekten teilhaben zu lassen, sollte vorab geklärt werden: Welche Fragen stehen für die Planung im Raum? Wieviel Personen aus welchen Altersstufen sind beteiligt? Gibt es – wenn nötig – ein begleitendes Coaching oder Sprachunterricht? Ist die Betreuung von Minderjährigen gewährleistet? Sind die unterschiedlichen Erwartungen miteinander zu verbinden? Natürlich ist jedes Projekt anders und daher sollten alle unterschiedlichen Projektformate jeweils den Bedingungen angepasst werden. Die Machbarkeit sollte jedoch ebenso im Fokus stehen wie der ästhetische Innovationsanspruch. Denn Experimente sind möglich und scheitern muss erlaubt sein.

Flexible Gestaltung der Rahmenbedingungen

  • Jedes Projekt ist anders. Experimente müssen möglich sein, scheitern muss erlaubt sein. Alle unterschiedlichen Projektformate werden jeweils den Bedingungen angepasst.
  • Welche Menschen sind wann anwesend und welcher Raum steht zur Verfügung?
  • Situative Passgerechtigkeit und Machbarkeit ist genauso wichtig wie der ästhetische Innovationsanspruch.
  • Die Vermittlung zwischen Künstler_innen, Kulturinstitionen und Geflüchteten fordert passende Formate, die einen Beziehungsaufbau ermöglichen. Ein Beispiel ist das Zeltlager mit verschiedenen kulturellen / künstlerischen Angeboten auf der Ruhrtriennale.
  • Als Angebot sollte man Begegnungsmöglichkeiten schaffen, Öffnung von allen Seiten gestalten und Jugendliche aktiv einbinden (z. B. gemeinsame Besuche von Tanz- / Fachveranstaltungen)
  • Mehr Vor- und Nachbereitungszeit einplanen


Vermittelnde Künstler_innen

  • Künstler_innen sind notwendige Partner und Mittler_innen, besonders mit umfassender Welterfahrung, eigenem Migrationshintergrund oder sogar eigener Fluchterfahrung.
  • Erfahrungsaustausch, kollegiale Beratung, fachlicher Input sollten konstant gewährleistet werden.


Förderstrukturen

  • Stipendien für Künstler_innen, die mit Geflohenen arbeiten oder Stipendien für Künstler_innen mit Fluchterfahrung wären sinnvolle Instrumente.
  • Flexible Strukturen, die keinen festen Zeitplan erfordern, aber langfristiges Potentiale haben, sollten ausgebaut werden.
  • Kosten für Gema und Versicherungen müssen in der Förderung inbegriffen sein.


Kooperationen mit Flüchtlingsnetzwerken

  • Patenschaften mit Flüchtlingsorganisationen/-trägern sollten vereinbart werden.
  • Planung und Bereitstellung von Kompetenz (Asylrecht, Arbeitsrecht, Traumabehandlung, Gesundheit, etc.) muss verbindlich vorgesehen sein. Dies kann nicht Aufgabe der Künstler_innen sein. Für sie ist Coaching und Beratung nötig.


Wer ist neu in Deutschland angekommen?

  • Aus welchen Ländern stammen die Teilnehmer_innen?
  • Welche Beziehung zum Tanzen/ zur Kunst und welche Tanz-/ Kunsterfahrung bringen sie mit?
  • Gibt es Tanzdozenten/Künstler_innen unter den Geflüchteten?
  • Welche Altersstufen sind beteiligt und sind die Kinder betreut bzw. sind sie schulpflichtig?
  • Treffen sich Eltern von Kindern auch außerhalb der Schulzeit?


Verschiedene Kulturinstitutionen bieten Fortbildungen zum Thema an – eine Auswahl: